150 Jahre Evangelischer Friedhof

150 Jahre – eine Zahl, die nur bedingt zutrifft, denn einen Friedhof in Evingsen hat es ja immerhin schon seit 1784 gegeben, also seit genau 223 Jahren.
Es war der erste Erfolg, den die Gemeinde bei ihrem Kampf um die Selbstständigkeit errungen hatte. Angelegt in der Dorfmitte, rund um das gleichzeitig in Angriff genommene Bet- und Schulhaus, musste der Friedhof bereits 1800 zum ersten Mal erweitert werden. 1820 herrschte wiederum Platznot. Noch einmal konnte ein Grundstück direkt vor der Kirche erworben werden, das eigentlich für eine Hausstelle gedacht war. Allerdings war es nur 16 Ruthen = ca. 338 qm groß, wie aus der einzigen aus diesen Jahren erhaltenen Urkunde von 1819 hervorgeht.
Um diese Zeit wurde erstmals auch ein Totengräber eingestellt. Bis dahin hatten die Nachbarn das Grab ausgehoben.
Um 1850 war der Friedhof endgültig überfüllt, es gab auch keine angrenzenden Grundstücke mehr, die für eine nochmalige Erweiterung angekauft werden konnten. Außerdem gab es neue Richtlinien, nach denen die „Todtenhöfe“ aus Hygienegründen außerhalb des Ortes liegen sollten. So wurden dazu fünf Gehminuten  oberhalb des Dorfes liegende Grundstücke angekauft und als Friedhof hergerichtet. Die Einweihung erfolgte am 13.11.1857, die erste Beerdigung am 23.11.1857 – hier sind wir also bei unserem Jubiläum 150 Jahre Evangelischer Friedhof!
Die Kosten für Ankauf, Umzäunung und eisernes Tor betrugen über 400 Taler, die durch einen Zuschuss der Provinzialsynode von 100 Talern und aus dem Erlös der Grabstätten beglichen wurden. Beerdigungen auf dem alten Friedhof haben danach nicht mehr stattgefunden. Wie lange das Gelände um die Kirche herum noch als Friedhof zu erkennen war, wie lange die Gräber noch gepflegt wurden, davon ist in den Akten nichts zu finden.
Die Fahrt zum neuen Friedhof erfolgte wahrscheinlich mit normalem Pferdefuhrwerk von den Trauerhäusern aus oder der Sarg wurde von den Nachbarn getragen. Erst 1894 wurde ein Leichenwagen angeschafft, der mit zugehörigem Pferdegeschirr und Behangtuch sowie der Remise 1100 Mark kostete – ein stolzer Preis, der vor allem durch Spenden einiger Privatleute aufgebracht wurde. Noch bis vor etwa vierzig Jahren saß Bauer Vogelsang mit Zylinder auf dem Bock, dann wurde dieses imposante Gefährt verkauft und von einem Auto abgelöst.

Nach gut fünfzig Jahren wurde der Platz auch auf diesem neuen Friedhof wieder knapp, man machte sich wieder einmal Gedanken über eine Erweiterung in nördlicher Richtung.
Pfarrer Agena schreibt dazu in seiner Gemeindegeschichte:
„Schon während des Krieges (1914-1918) hatte die Gemeinde die Erweiterung des Friedhofes ins Auge gefasst und drei Grundstücke dazu erworben. Die Einweihung des neuen Friedhofes geschah am 30. Okt. 1921. Die Mitglieder des damaligen Presbyteriums und der Gemeindevertretung haben unentgeltlich an der Herrichtung der Grundstücke zu diesem Zwecke gearbeitet, um der Gemeinde Kosten zu ersparen. 1928 wurde eine neue Friedhofsordnung geschaffen, die es ermöglichte, auch den alten Teil des Friedhofes in Ordnung zu bringen. Die ältesten Teile waren sehr verwildert, hohe Bäume verhinderten das Wachstum von Blumen auf den Gräbern. Jetzt (1936) ist unser Friedhof eine würdige Ruhestätte der Toten geworden. Besonderes Verdienst um die Neugestaltung und Pflege desselben gebührt Herrn Aug. Heil, dem Vorsitzenden der Friedhofskommission.“

Seit 1935 hat der Friedhof einen Wasseranschluss am großen Tor, 1938 wurde von Amts wegen eine Genehmigungspflicht für Denkmäler eingeführt, im gleichen Jahr auch noch die Anordnung, Parteisymbole auf Denkmälern zuzulassen. In Evingsen scheint dafür aber kein Bedarf bestanden zu haben.

(Nach den Aufzeichnungen von Pfarrer Kupsch wurden im ersten Weltkrieg drei der 44 gefallenen Soldaten aus Evingsen auf unserem Friedhof beerdigt, vermutlich auf den jeweils vorhandenen Erbbegräbnissen.
Im 2. Weltkrieg bzw. in der Nachkriegszeit wurden von 1940 bis 1954 fünf bei Kampfhandlungen gefallene und zwei an den Kriegsfolgen verstorbene Soldaten auf einem besonderen Feld bestattet. In dem 1952 verabschiedeten Kriegsgräbergesetz wurde beschlossen, dass die jeweiligen Friedhofsträger verpflichtet sind, diese Gräber dauernd bestehen zu lassen, sie zugänglich zu erhalten und dem Land zu gestatten, auf ihre Instandsetzung und Pflege einzuwirken. Daran sind wir auch heute noch gebunden; eine solche Prüfung fand zuletzt vor etwa zwei Jahren auf unserem Friedhof statt.)

Bis etwa 1960 fanden die Trauerfeiern in den Häusern der Verstorbenen statt, seitdem werden die Verstorbenen in die Kirche überführt, wo die Trauerfeier stattfindet  und anschließend der Gang zum Friedhof angetreten wird – so ist ein würdevoller Abschied möglich.
Mitte der siebziger Jahre wurde der Platz auf unserem Friedhof wieder eng, vor allem aber musste die würdige Unterstellung der Verstorbenen hier im Dorf gewährleistet werden. Eine Aufbahrungshalle mit zwei Kammern wurde geplant, Spenden dafür gesammelt, die Genehmigung eingeholt – der Bau sollte beginnen. Aber zunächst kam es zu einer Verzögerung: Eine Gruppe Gemeindeglieder forcierte den Bau einer Friedhofskapelle mit 50 Plätzen, sammelte für dieses Projekt Unterschriften und Geld, letztendlich ohne Erfolg. So konnte am Ewigkeitssonntag 1979 die ursprünglich geplante Aufbahrungshalle von Pfarrer Kroll im Beisein seines Vorgängers, Pastor Jacobi, eingeweiht werden.
Bei einer Gemeindeversammlung 1976 war es ein schwieriges Unterfangen, den Gemeindegliedern verständlich zu machen, dass ihre Grabstellen kein Besitz wären, sondern dass nur ein befristetes Nutzungsrecht bestände und nach Ablauf dieser Frist neue Kosten durch Wiederkauf bzw. Verlängerung auf sie zukämen. Die Durchsetzung der damals eigentlich schon seit Jahrzehnten geltenden Friedhofsordnung zog die Konsequenz nach sich, dass viele große Grabstellen aufgegeben wurden, wodurch sich der Platzbedarf und die Dringlichkeit einer neuerlichen Erweiterung verminderten.
Letztendlich aber musste diese Erweiterung, diesmal in südwestlicher Richtung, doch in Angriff genommen werden, dafür stand eine Fläche von 3800 m² zur Verfügung. Bodenproben ergaben allerdings schwierige geologische Verhältnisse, die Anschüttungen und einen teilweisen Bodenaustausch notwendig machten. Einwände und Auflagen der unteren Umweltbehörde, auch im Hinblick auf die Bepflanzung, zogen sich über Jahre hin, so dass dieser Teil erst am Ewigkeitssonntag 1992 eingeweiht werden konnte; die erste Beerdigung auf diesem Feld fand am 9.3.1993 statt.
Dort haben wir nach nunmehr fünfzehn Jahren immer noch reichlich Platz. Zum Glück!
Denn so konnte dort im Jahre 2003 ohne Schwierigkeiten unser Dorfgemeinschaftsfeld sowohl für Erd- als auch für  Urnenbestattungen angelegt werden. Die  Pflege für die gesamte Ruhezeit erfolgt durch die Friedhofsträgerin. Aber auch wer sein Erbbegräbnis für die Ruhezeit von 30 Jahren gepflegt wissen möchte, hat dazu die Möglichkeit durch Errichtung eines Legats, das von der Kirchengemeinde bzw. vom Kirchenkreis verwaltet wird. Von dort wird die Ausführung der notwendigen Pflegemaßnahmen überwacht und mit dem jeweiligen Friedhofsgärtner abgestimmt.
Wenn auch die derzeitigen Mitglieder des Presbyteriums nicht mehr wie anno 1920 bei gärtnerischen Maßnahmen auf dem Friedhof tätig sind – dafür gibt es ja nun einen Friedhofsgärtner – wird auch heute noch viel Zeit und Energie an ehrenamtlichem Engagement vom Friedhofsbeauftragten geleistet – z. Zt. von Herrn Gerd Höngen, davor von Herrn Gerd Kayser und von Herrn Rolf Kaemper, um einmal die Verantwortlichen in den letzten 30 Jahren zu nennen. Auch sie haben sich viele Verdienste um unseren Friedhof erworben – Danke!            2007 

Helga Mosch

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